Wissen · von Jendrik Peters
Rollenklarheit: Wie du mit Erwartungen von oben und unten umgehst

Dein Team erwartet etwas von dir. Deine eigene Führungskraft auch. Dazu Kolleginnen und Kollegen, andere Bereiche, vielleicht Kundinnen und Kunden. Nicht alle Erwartungen passen zusammen. Wer seine Rolle nicht klärt, versucht es allen recht zu machen und wird zwischen den Erwartungen zerrieben.
Die Sandwich-Position
Als Führungskraft hast du Einfluss nach oben und nach unten. Das finde ich das Schöne an der Rolle. Gleichzeitig ist es die Herausforderung, denn du sitzt dazwischen. Manchmal möchtest du dich nicht von oben einspannen lassen. Manchmal musst du Entscheidungen vertreten, die du selbst nicht getroffen hast.
Zwei Fragen helfen:
In welchem Rahmen darf ich führen? Welche Entscheidungen liegen bei mir? Welche Mittel habe ich zur Verfügung? Wo brauche ich Rücksprache? Je klarer dieser Rahmen ist, desto sicherer führst du.
Wie spiegle ich zurück? Wenn sich etwas verändert, gib es in beide Richtungen weiter: „Wir haben diesen Rahmen festgelegt. Jetzt passiert Folgendes. Wie gehen wir damit um? Wo müssen wir nachsteuern?“ Diese offene Kommunikation nach oben und nach unten ist unheimlich wichtig.
Funktion und Rolle sind nicht dasselbe
Deine Funktion steht im Organigramm: Teamleitung, Abteilungsleitung. Deine Rollen sind vielfältiger. Du bist vielleicht Entscheiderin, Coach, Fachexpertin, Sprachrohr des Teams nach oben, Vermittler zwischen Bereichen. In jeder Rolle erwarten andere Menschen etwas anderes von dir.
Rollenklarheit heißt, sich bewusst zu machen:
- Was ist meine Funktion, und welche Rollen gehören dazu?
- Was erwarten die verschiedenen Personen und Bereiche im System von mir?
- Welche Erwartungen passen zusammen, welche nicht?
- Über welche Erwartungen müssen wir sprechen?
- Wo braucht es eine Entscheidung, damit ich klar bin und klar bleibe?
Der Rollen-Canvas
Ein Rollen-Canvas macht dieses komplexe System auf einer Seite sichtbar. Ich arbeite ständig damit, mit neuen Führungskräften genauso wie mit Teams. So ist er aufgebaut:
| Feld | Leitfrage |
|---|---|
| Rolle und Zweck | Wofür gibt es diese Rolle? Was wäre anders, wenn es sie nicht gäbe? |
| Anspruchsgruppen | Wer hat Erwartungen an mich? Team, eigene Führungskraft, Kolleginnen und Kollegen, Schnittstellen |
| Erwartungen an mich | Was erwartet jede dieser Gruppen konkret? |
| Meine Erwartungen | Was brauche ich von ihnen, um meine Rolle gut auszufüllen? |
| Entscheidungsrahmen | Was entscheide ich allein, was mit anderen, was gar nicht? |
| Spannungsfelder | Wo widersprechen sich Erwartungen? Was muss geklärt werden? |
Rollen-Canvas zum Ausdrucken
Du willst direkt loslegen? Hol dir den Rollen-Canvas als kostenloses PDF mit Anleitung in vier Schritten.
So arbeitest du mit dem Canvas
- Füll ihn zuerst allein aus. Wie siehst du deine Rolle und die Erwartungen an dich?
- Prüfe ihn im Gespräch. Frag dein Team und deine Führungskraft: Stimmt das? Was fehlt?
- Kläre die Spannungsfelder. Manche lassen sich besprechen, für manche braucht es eine Entscheidung von oben.
- Schau regelmäßig wieder drauf. Rollen verändern sich, besonders in Veränderungsprozessen.
Schon das Aufschreiben bringt oft viel Klarheit. Und es ist eine gute Grundlage für Gespräche nach oben und nach unten.
Auch im Team hilft Rollenklarheit
Der Canvas funktioniert nicht nur für Führungskräfte. Wenn im Team unklar ist, wer wofür zuständig ist, entstehen Doppelarbeit, Lücken und Konflikte. Ein gemeinsamer Workshop, in dem jede Person ihre Rollen beschreibt und die anderen ergänzen, klärt oft mehr als jede Stellenbeschreibung.
Wie wichtig Rollenklarheit gerade am Anfang einer Führungsrolle ist, beschreibe ich im Artikel Neu in der Führungsrolle.
Häufige Fragen
Was ist Rollenklarheit?
Das Wissen darüber, welche Rollen ich habe, was andere von mir erwarten, was ich entscheide und wo Erwartungen kollidieren. Fehlt sie, entstehen Doppelarbeit, Lücken und Konflikte.
Was ist ein Rollen-Canvas?
Eine einseitige Übersicht über Zweck der Rolle, Anspruchsgruppen, deren Erwartungen, die eigenen Erwartungen, den Entscheidungsrahmen und offene Spannungsfelder.
Wie gehe ich mit der Sandwich-Position um?
Den eigenen Entscheidungsrahmen klären und Veränderungen offen in beide Richtungen zurückspiegeln: Was ist passiert, wie gehen wir damit um, wo müssen wir nachsteuern?
Mach den Selbstcheck
Wie klar sind die Rollen in deinem Team? Zum Selbstcheck Rollenklarheit. Wenn du deine Rolle oder die Rollen in deinem Team klären willst: Lass uns 30 Minuten sprechen.
Über den Autor
Ich bin Jendrik Peters, Organisationsentwickler, Trainer und Coach aus Horneburg bei Hamburg. Ich begleite Führungskräfte, Teams und Organisationen: in Führungskräfteseminaren, Teamentwicklungen, Konfliktmoderationen und Veränderungsprozessen, oft aufbauend auf Mitarbeiterbefragungen. Was ich hier schreibe, kommt aus dieser Praxis.
Mehr über michWeiterlesen

Resilienz: Nicht alles aushalten, sondern rechtzeitig merken
Resilient sein heißt für mich nicht, mit allem umgehen zu können, was das Leben einem vor die Füße wirft. Und auch nicht, sofort eine Lösung...
Weiterlesen
Neu in der Führungsrolle: Was die ersten Monate entscheidet
Die ersten Wochen und Monate in einer neuen Führungsrolle sind unglaublich wertvoll. In keiner anderen Zeit kannst du so leicht die Grundlag...
Weiterlesen
Antreiber im Team: Delegieren, Konflikte und Erschöpfung
Innere Antreiber wirken nicht nur in dir. Sie wirken auf dein Team, auf deine Art zu delegieren und auf eure Konflikte. Wer die eigenen Antr...
WeiterlesenLass uns sprechen
Du erkennst dich oder dein Team in diesem Artikel wieder? In 30 Minuten schauen wir gemeinsam, was bei euch der nächste sinnvolle Schritt ist.
