Wissen · von Jendrik Peters
Resilienz: Nicht alles aushalten, sondern rechtzeitig merken

Resilient sein heißt für mich nicht, mit allem umgehen zu können, was das Leben einem vor die Füße wirft. Und auch nicht, sofort eine Lösung zu haben. Resilienz heißt zuerst: zu merken, dass man gerade auf dem Zahnfleisch geht. Und dann ein paar Strategien zu haben, um wieder in die eigene Kraft zu kommen.
Was Resilienz für mich ist
Resilienz sind Strategien, Routinen und ein Bewusstsein dafür, wo ich gerade stehe: körperlich, energetisch, in meiner Balance. Kommt ein Dämpfer, ob plötzlich oder durch eine lange anstrengende Phase, weiß ich, was ich tun kann.
Das kann klein sein. Wenn meine Konzentration nachlässt, drehe ich eine Runde um den Block. Andere setzen sich mit Timer oder Sanduhr Grenzen für ihre Arbeitszeit. Manche reagieren erst, wenn der Akku fast leer ist. Das muss jede Person für sich herausfinden. Ich empfehle aber regelmäßige Stopps: durchatmen, Balance wiederherstellen, Akku laden, bevor er leer ist.
Die Forschung zur Resilienz begann übrigens mit Kindern. Die Psychologin Emmy Werner begleitete über Jahrzehnte Kinder auf der Insel Kauai. Ein Teil von ihnen entwickelte sich trotz schwieriger Bedingungen gut. Entscheidend waren Schutzfaktoren, vor allem stabile Beziehungen. Resilienz ist also keine feste Eigenschaft, sondern lässt sich stärken.
Die sieben Säulen und wo es oft hakt
In Trainings wird häufig mit sieben Säulen der Resilienz gearbeitet. Das ist ein Praxismodell, keine wissenschaftlich geprüfte Theorie, aber es ist ein guter Spiegel. Das sehe ich bei den einzelnen Säulen:
| Säule | Was ich oft erlebe |
|---|---|
| Akzeptanz | Fällt schwer. In Deutschland nörgeln wir ja auch gern ein bisschen. Etwas anzunehmen, wie es ist, und zu schauen, was in meiner Hand liegt, ist für viele ein großer Schritt. |
| Lösungsorientierung | Gelingt vielen, aber gern mit bekannten, bewährten Mustern. Offen für neue Lösungen sind weniger. |
| Optimismus | Immer mal wieder schwierig. Das Pessimistische, manchmal auch das Realistische, liegt näher. |
| Opferrolle verlassen | „Das wurde über meinen Kopf entschieden.“ „Wir im mittleren Management haben ja nichts zu sagen.“ Hier nach den eigenen Möglichkeiten zu suchen, fällt vielen schwer. |
| Verantwortung übernehmen | Ist meist nicht das Problem. |
| Netzwerkorientierung | Heißt am Ende: um Hilfe bitten. Das fällt vielen nicht leicht. |
| Zukunftsplanung | Selten die größte Hürde. |
Für Akzeptanz und die Opferrolle hilft Stephen Coveys Modell der Einflusskreise: Was beschäftigt mich, was kann ich beeinflussen, was liegt ganz in meiner Hand? Wer seine Energie auf den inneren Kreis lenkt, kommt wieder ins Handeln.
Das Positive: Wer ins Coaching kommt, macht damit schon den ersten Schritt in Sachen Netzwerkorientierung. Er holt sich Hilfe.
Energie vor Zeitmanagement
In Führungskräfteprogrammen wird oft nach Zeitmanagement-Tools gefragt, etwa nach der Eisenhower-Matrix, die Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit sortiert. Das ist sinnvoll. Aber das schönste Werkzeug funktioniert nicht, wenn die Energie fehlt. Manchmal ist eine Pause sinnvoller als die nächste Methode.
Was Energie gibt:
- Abwechslung. Ein Telefonat im Gehen statt im Besprechungsraum bringt oft auch eine neue Perspektive.
- Nach Stärken arbeiten. Bei Aufgaben, die viel Energie kosten, fragen: Kann ich sie mit meinen Stärken angenehmer machen oder aus einem anderen Blickwinkel sehen?
- Regelmäßig reflektieren. Wir springen von Aufgabe zu Aufgabe, ohne innezuhalten. Was nicht abgeschlossen ist, bleibt im Kopf und belastet. Nimm dir am Ende des Tages kurz Zeit: Wo stehe ich? Was will ich verändern? Und was habe ich gut gemacht?
Was mir selbst hilft
Mir hilft Kochen, am liebsten mit meiner Familie zusammen. Und Zeit mit dem Hund. Ich achte bewusst darauf, was mein Körper braucht und in welche Richtung das Pendel gerade ausschlägt.
Und ich lerne, Nein zu sagen. Immer wieder neu. Nein zum Handy am Abend, Nein zur nächsten Folge. Ich erlaube mir, Ja oder Nein zu sagen, je nachdem, was ich brauche. Manche Aufgaben müssen trotzdem sein, auch ohne Lust. Aber ich schaue stärker, was ich delegieren oder ganz lassen kann, um mich auf das zu konzentrieren, was mir Freude macht.
Was Teams in schwierigen Zeiten zusammenhält, woran du Erschöpfung bei anderen erkennst und was Organisationen tun können, liest du im Artikel Resilienz in Teams und Organisationen.
Wo Coaching an seine Grenze kommt
Wenn ich den Eindruck habe, dass jemand kurz vor oder in einem Burnout steckt oder Anzeichen einer Depression zeigt, muss das zuerst angegangen werden. Das gilt auch, wenn jemand dauerhaft nicht mehr ins Handeln kommt, im Problem und in der Vergangenheit verharrt oder eigene Ressourcen gar nicht mehr wahrnehmen kann.
Dann mache ich das transparent: „Ich bin am Ende dessen, was ich dir im Coaching anbieten kann.“ Es geht nicht darum, jemanden weiterzuschicken. Es geht darum, gemeinsam zu schauen, was der richtige Weg ist. Das kann der Hausarzt sein, eine Psychotherapeutin, eine Beratungsstelle oder auch Familie und Freunde.
Wenn es dir selbst gerade so geht und du schnell mit jemandem sprechen willst: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Häufige Fragen
Was bedeutet Resilienz?
Die Fähigkeit, Belastungen zu bemerken und mit Strategien und Routinen wieder in die eigene Kraft zu kommen. Resilienz ist keine feste Eigenschaft, sondern lässt sich stärken.
Was sind die sieben Säulen der Resilienz?
Akzeptanz, Lösungsorientierung, Optimismus, Opferrolle verlassen, Verantwortung übernehmen, Netzwerkorientierung und Zukunftsplanung. Es ist ein verbreitetes Praxismodell, keine wissenschaftlich geprüfte Theorie.
Wann ist Coaching nicht mehr das Richtige?
Bei Anzeichen von Burnout oder Depression oder wenn jemand dauerhaft nicht mehr ins Handeln kommt. Dann gehört das zuerst in ärztliche oder therapeutische Hände.
Mach den Selbstcheck
Wo stehst du gerade mit deiner Resilienz? Zum Selbstcheck Resilienz. Wenn du für dich oder dein Team an Resilienz arbeiten möchtest: Coaching oder 30 Minuten kennenlernen.
Über den Autor
Ich bin Jendrik Peters, Organisationsentwickler, Trainer und Coach aus Horneburg bei Hamburg. Ich begleite Führungskräfte, Teams und Organisationen: in Führungskräfteseminaren, Teamentwicklungen, Konfliktmoderationen und Veränderungsprozessen, oft aufbauend auf Mitarbeiterbefragungen. Was ich hier schreibe, kommt aus dieser Praxis.
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