Wissen · von Jendrik Peters
Abschied im Team: Warum Projekte ein Ende brauchen

Ein Projekt wird abgegeben. Vielleicht schreibt noch jemand einen Bericht, und das war es. Am nächsten Tag sitzen alle schon im nächsten Projekt. Was fehlt, ist ein Abschied.
In den Teamphasen nach Tuckman heißt diese Phase Adjourning. Sie kam erst 1977 als fünfte Phase dazu, und sie wird bis heute am häufigsten vergessen. Die anderen vier Phasen erkläre ich im Artikel Teamphasen.
Warum wir Abschiede brauchen
Als Menschen brauchen wir Abschlüsse. So wie wir bei Verlusten Trauerfeiern haben, brauchen auch Projektteams einen bewussten Moment, um etwas zu beenden.
Der Abschied kann erleichtert sein: „Gott sei Dank ist das Projekt vorbei. Gott sei Dank habe ich die Doppelbelastung nicht mehr.“ Er kann aber auch wehmütig sein, weil die Zusammenarbeit so viel Freude und Teamgeist hatte. In beiden Fällen hilft ein bewusstes Ende, um innerlich abzuschließen und sich auf ein neues Team einzulassen.
Was passiert, wenn der Abschied fehlt
Ohne offiziellen Abschluss schwirrt das Projekt weiter im Hinterkopf herum:
- „Was ist eigentlich aus dem Projekt geworden? Ich habe nie wieder etwas gehört.“
- „Wahrscheinlich ist es eingeschlafen.“
- Und das Feedback, das man nie loswerden konnte, weil von heute auf morgen Übergabe war.
Das bindet Energie, die im nächsten Projekt fehlt.
Auch Wechsel brauchen einen Abschied
Nicht nur Projektteams enden. Mit jeder Person, die ein Team verlässt oder neu dazukommt, beginnt die Teamdynamik ein Stück von vorn. Das muss nicht lange dauern, aber es passiert.
Deshalb lohnt sich bei jedem Wechsel die Frage: Wie würdigen wir, was diese Person geschaffen hat? Gibt es einen Moment, in dem wir gemeinsam Abschied nehmen? Und wie heißen wir die neue Person bewusst willkommen?
Ein guter Abschied hat zwei Seiten
Die sachliche Seite. Was gibt es zum Projekt noch zu sagen? Was muss festgehalten werden? Was muss an andere Stellen übergeben werden, und wer hakt dort nach?
Die soziale Seite. Warme Worte und Feedback für jede einzelne Person. Noch einmal hervorheben, was das Team gemeinsam erreicht hat. Die schönen Momente wieder aufleben lassen. Und Lernpunkte für das nächste Projekt sammeln, damit jede Person etwas mitnimmt.
Als Führungskraft ist es deine Aufgabe, dafür einen Rahmen anzubieten. Am besten mit einem kleinen Ritual.
Formate für den Abschied
Vom großen Ritual bis zur kurzen Runde ist alles möglich:
| Format | So geht es |
|---|---|
| Ritueller Abschluss | Ein gemeinsamer Abend, zum Beispiel am Lagerfeuer, mit Rückblick auf das Projekt |
| Start-Stop-Continue | Was fangen wir nächstes Mal an? Was lassen wir? Was behalten wir? |
| Zuckerwürfel (Sugar Cubes) | Jede Person schreibt jeder anderen ein kleines Briefchen mit Komplimenten, Dank und netten Worten. Die Briefchen kommen in Umschläge, und jede Person nimmt ihre Zuckerwürfel mit nach Hause. |
| Warmer Rücken | Alle kleben sich ein Blatt Papier auf den Rücken, laufen herum und schreiben einander etwas Wertschätzendes darauf |
| Einzelgespräche | Persönliches Feedback unter vier Augen, besonders bei längerer Zusammenarbeit |
Häufige Fragen
Was ist die Adjourning-Phase?
Die fünfte Teamphase nach Tuckman und Jensen (1977): die Phase des Abschieds, wenn ein Projekt endet oder ein Team sich auflöst.
Wie gestaltet man einen guten Projektabschluss?
Mit einer sachlichen Seite (offene Punkte, Übergaben, Lernpunkte) und einer sozialen Seite (Wertschätzung, Feedback, gemeinsame Erinnerungen), am besten in einem kleinen Ritual.
Was ist die Methode Zuckerwürfel?
Jede Person schreibt jeder anderen ein kurzes Briefchen mit Komplimenten und Dank. Die Briefchen kommen in Umschläge, die alle mit nach Hause nehmen.
Mach den Selbstcheck
In welcher Phase steckt dein Team gerade? Zum Selbstcheck Teamphasen. Wenn du einen Projektabschluss begleitet haben möchtest: Lass uns 30 Minuten sprechen.
Über den Autor
Ich bin Jendrik Peters, Organisationsentwickler, Trainer und Coach aus Horneburg bei Hamburg. Ich begleite Führungskräfte, Teams und Organisationen: in Führungskräfteseminaren, Teamentwicklungen, Konfliktmoderationen und Veränderungsprozessen, oft aufbauend auf Mitarbeiterbefragungen. Was ich hier schreibe, kommt aus dieser Praxis.
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