Wissen · von Jendrik Peters
Schnittstellen und Großgruppen: Zusammenarbeit über Bereiche hinweg

In Veränderungen knirscht es selten innerhalb eines Teams am lautesten. Es knirscht zwischen den Bereichen. Und wenn eine ganze Organisation in eine neue Richtung soll, reicht es nicht, nur mit einzelnen Teams zu sprechen. Dieser Artikel vertieft zwei Aspekte aus Veränderung begleiten.
Warum es an Schnittstellen so oft hakt
Die häufigste Ursache, die ich erlebe: Die Bereiche wissen schlicht nicht, was die andere Seite macht.
- Sie verstehen nicht, warum eine bestimmte Information dort gebraucht wird.
- Sie wissen nicht, warum sich die andere Seite so verhält.
- Sie sehen vor allem den eigenen Druck: Wir müssen unsere Arbeit schaffen.
Daraus entstehen Missverständnisse und Frust. Es entsteht Spannung zwischen den Bereichen. Und Dinge werden nicht oder zu spät kommuniziert, was die Spannung weiter erhöht.
Was an Schnittstellen hilft
Die andere Seite kennenlernen. Was macht ihr, und warum? Welche Informationen braucht ihr von uns, und wofür? Eine Hospitation, bei der jemand einen Tag im anderen Bereich mitläuft, wirkt oft Wunder.
Ein gemeinsames Ziel klären. Beide Seiten haben ihre eigenen Ziele. Was ist das Ziel, auf das wir gemeinsam hinarbeiten? Erst wenn das klar ist, zieht man an einem Strang.
Die Übergabe gemeinsam gestalten. Wer liefert was, in welcher Form, bis wann? Wie arbeiten wir an der Schnittstelle am effektivsten zusammen?
Ein Schnittstellen-Workshop in vier Schritten
- Jede Seite stellt sich vor: Was machen wir, was ist uns wichtig, worunter leiden wir?
- Jede Seite beschreibt, was sie von der anderen braucht und wofür.
- Gemeinsam die größten Reibungspunkte sammeln und die wichtigsten zwei oder drei auswählen.
- Konkrete Vereinbarungen treffen: Wer liefert was, in welcher Form, bis wann? Und wann schauen wir, ob es funktioniert?
Großgruppenformate: Wann sie sinnvoll sind
Große Formate lohnen sich an bestimmten Punkten eines Change-Projekts, oder einfach zwischendurch im Unternehmensalltag. Sie eignen sich, um:
- den Status quo zu reflektieren: Wo stehen wir gerade? Was passiert eigentlich?
- Perspektiven zu hören: Wie sehen die verschiedenen Bereiche die Lage?
- Ziele zu hinterfragen: Auf welche Zukunft haben wir eigentlich Lust? In welche Richtungen könnten wir denken?
- gemeinsam Strategie zu entwickeln: nicht von oben vorgegeben, sondern von unten mitgestaltet
- einen Change zu strukturieren: Wie ist er aufgebaut, welche Stationen gibt es? Ideen sammeln, Schwachstellen herausarbeiten, Feedback geben, wie es bisher lief.
Bewährte Formate
| Format | Wofür es sich eignet |
|---|---|
| Open Space | Viele Themen in kurzer Zeit. Die Teilnehmenden setzen die Themen selbst und gehen dahin, wo sie etwas beitragen wollen. Entwickelt von Harrison Owen. |
| World Café | Austausch an kleinen Tischen in wechselnden Runden. Gut, um viele Perspektiven zu einer Frage zu sammeln. Entwickelt von Juanita Brown und David Isaacs. |
| Zukunftskonferenz | Ein gemeinsames Zukunftsbild entwickeln, mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und gewünschte Zukunft. Entwickelt von Marvin Weisbord und Sandra Janoff. |
Großgruppe heißt nicht: alle
Auch ein gut gemischter Querschnitt aus der Organisation kann eine Großgruppe sein. Entscheidend ist, dass unterschiedliche Sichtweisen aus allen Ebenen und Bereichen gehört werden.
Allein das Gefühl, gehört zu werden, kann sehr viel bewirken. Und die Ideen, die dabei entstehen, sind oft besser als alles, was ein kleiner Kreis allein entwickelt hätte.
Häufige Fragen
Warum gibt es Probleme an Schnittstellen?
Meist, weil die Bereiche nicht wissen, was die andere Seite tut und warum sie bestimmte Informationen braucht. Daraus entstehen Missverständnisse, Frust und verspätete Kommunikation.
Was ist ein Open Space?
Ein Großgruppenformat nach Harrison Owen, bei dem die Teilnehmenden die Themen selbst setzen und frei zwischen den Gesprächsrunden wechseln.
Wann lohnt sich ein Großgruppenformat?
Wenn viele Perspektiven gebraucht werden: um den Status quo zu reflektieren, Ziele zu hinterfragen, gemeinsam Strategie zu entwickeln oder einen Change zu strukturieren.
Mach den Selbstcheck
Wie gut lernt deine Organisation? Zum Selbstcheck Lernende Organisation. Wenn du Schnittstellen klären oder ein Großgruppenformat planen willst: Lass uns 30 Minuten sprechen.
Über den Autor
Ich bin Jendrik Peters, Organisationsentwickler, Trainer und Coach aus Horneburg bei Hamburg. Ich begleite Führungskräfte, Teams und Organisationen: in Führungskräfteseminaren, Teamentwicklungen, Konfliktmoderationen und Veränderungsprozessen, oft aufbauend auf Mitarbeiterbefragungen. Was ich hier schreibe, kommt aus dieser Praxis.
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